Nicht nur Erwachsene denken über das „Was wäre wenn...“ nach, sondern
auch die Kinder und gerade die Kinder.
Unser Robin hat da ganz extreme Wünsche, die wahrscheinlich auf eine
Neurose oder Entwicklungsstörung schließen lassen, wie der Psychologe
diagnostizieren würde. Er will nämlich ein Bett haben, das fährt, ihn aber mit
Stahlwänden vor der Welt schützt.
Nun kann ich mir vorstellen, dass sich Erwachsene zwar nicht nach einem
fahrbaren Bett sehnen, ihnen die Stahlwände manchmal aber durchaus willkommen
wären.
Wie Robin das Wünschen lernte
Eine
Kindergeschichte für Erwachsene
Robin erwachte nur unwillig. Seine Mama hatte ihn sanft
gerüttelt und eindringlich geflüstert: „Es ist Zeit zum Aufstehen!“
Dann war sie wieder aus dem Zimmer gehuscht.
Robinson, so hieß der Junge wirklich, hielt die Augen
dennoch geschlossen. Er wollte das klare Licht des Tages noch nicht sehen. Deshalb
streckte er sich wohlig aus und genoss die Wärme und Geborgenheit seines
Federbettes. Um es sich besonders schön zu machen, rollte er sich auf die Seite,
zog die Knie an die Brust und steckte den Daumen in den Mund. Robin war
glücklich!
Aber dieses Glück währte nicht lange. Seine Mama pochte
an die Tür und fragte mit erhobener Stimme: „Bist du aufgestanden? Beeile dich
bitte!“
Gehorsam, wenn auch widerwillig öffnete der Junge die
Lider. Es klopfte erneut an die Tür. Die Stimme der Mutter war jetzt recht ungeduldig.
Erschrocken streckte Robin die Beine wieder aus. Er wusste, dass er nun
schleunigst aufstehen musste, wenn er noch rechtzeitig zur Schule kommen
wollte. Dabei war er noch so müde! Niemand zeigte für ihn Verständnis! Dabei
war er doch noch so klein und hatte nur den einen Wunsch im Bett zu bleiben.
Das Schönste wäre, so dachte er sich nach einer Weile,
wenn man am Leben teilnehmen könnte, ohne wirklich dabei zu sein. Das Leben
erleben so sein wie Fernsehen vom Bett aus. Wenn sein Bett doch Räder hätte und
einen eigenen Antrieb, so könnte er mit ihm zur Schule fahren. Dann bräuchte er
nicht aufzustehen. Dieser Gedanke gefiel ihm. Er malte ihn sich immer weiter
aus, und konnte schließlich an nichts anderes mehr denken. In seinem Kopf war
nur noch ein einziger Wunsch und der war so mächtig, dass Robin zu seinem
Wunsch und der Wunsch zu Robin wurden: Sein Bett sollte Räder haben.
Er presste ganz fest sein Daumen und schloss die Augen.
Sein Körper versteifte sich, selbst die Zehen krümmten sich nach innen. In
diesem Moment begann sich alles zu bewegen: das Bettgestell, die Matratze und
das Federbett mit den bunten Blumen und das weiche Kopfkissen.
Robin, das Bett und die Schule
Zuerst fuhr das Bett ganz langsam und vorsichtig durch
die Tür und die Treppe hinunter. Auf der Straße gewann es an Geschwindigkeit,
schlängelte sich geschickt zwischen den Autos hindurch, überquerte die Fahrbahn
auf dem Zerbrastreifen und rollte den Bürgersteig entlang. Bevor Robin sich
versah, stand das Bett im Klassenzimmer hinter der letzten Bank.
Zu seiner Überraschung nahm man keine besondere Notiz von
ihm. Die anderen Kinder grüßten ihn wie immer und auch für die Lehrerin schien
es etwas Selbstverständliches, dass der Schüler Robin mit seinem Bett zur
Schule gekommen war. Sie stellte lediglich erstaunt fest, dass er heute nicht
vor sich hin träumte, sondern rege am Unterricht teilnahm.
Der Vormittag verflog in Nu. Als es klingelte, bedauerte
Robin beinahe das Ende des Unterrichts. Heute hatte es ihm Spaß gemacht. Nun
aber musste er an den Heimweg denken. Es war bald Mittag und alle Leute würden
ihn in seinem Bett neugierig ansehen, deshalb genierte er sich schon jetzt.
Inzwischen lag Robin ganz allein in dem leeren
Schulzimmer und hatte Hunger. Zu Hause wartete seine Mama auf ihn und fragte
sich sicher schon besorgt, wo er denn blieb? Dieser wollte auch brav und
pünktlich zum Mittagessen nach Hause kommen. Er brannte sogar darauf, der
Mutter zu erzählen, wie er heute mit dem Bett in die Schule gefahren war. Aber
je mehr er an das Spießrutenfahren unter den neugierigen Blicken auf der Straße
dachte, desto tiefer verkroch er sich in sein Federbett. Da kam ihm die rettende
Idee. Sein Bett musste einfach einen Sichtschutz erhalten.
Gedacht, getan! Robin wünschte sich Wände für alle vier
Seiten und ein Dach, falls es einmal regnen sollte. So ausgerüstet konnte er
sich beruhigt auf die Straße wagen. Keiner würde ihn mehr anstarren. Doch er
konnte durch Sichtschlitze alles um ihn herum beobachten.
Was Robin auf dem Heimweg sah
Draußen war noch immer strahlender Sonnenschein. Der
Verkehr summte und brauste. Die Autos hupten, die Radfahrer klingelten und die
Fußgänger riefen sich Grüße zu. Das war ein Leben! Robin presste die Augen fest
an die Schlitze seiner Bettwände, um so viel wie möglich von dem Treiben
mitzubekommen. Er fühlte er sich sehr sicher in seinem Bett. Nicht einmal vor
dem Polizisten hatte er Angst, der drohend am Fahrbahnrand stand und acht gab,
dass niemand bei Rot die Straße überquerte. Schmunzelnd gab Robin seinem Bett
einen Befehl, und es fuhr, ohne anzuhalten und ohne dass er nach links oder
rechts geguckt hätte, über den Zebrastreifen. Der Polizist blies mit seiner Trillerpfeife
wütend hinter ihm her. Aber das kümmerte den Jungen nicht.
Kurz darauf hätte das Bett beinahe eine alte Frau
umgefahren. Sie stand wie benommen mitten auf dem Bürgersteig und atmete
schwer. Robin sah, wie sie sich zu einer Straßenlaterne schleppte, um sich abzustützen.
Es war offensichtlich, dass sie krank war und nicht mehr weitergehen konnte.
Niemand kümmerte sich um sie. Robin wollte anhalten. Aber das Bett war schon
an ihr vorbeigefahren. Im Übrigen hätte er der alten Frau doch nicht helfen
können. Sein Bett bot nur Platz für einen Jungen.
Inzwischen hatte er mit dem Bett inzwischen seine
Klassenkameraden eingeholt, die eilig nach Hause strebten. Ein paar Mädchen
ließen sich Zeit. Sie spielten Gummihupf. Das Bett hielt an und Robin sah ihnen
zu. Er genoss das friedliche Spiel und sah mit Bewunderung wie geschickt die
Mädchen über den Gummi sprangen, den zwei von ihnen mit den Beinen hielten. Der
Junge spitzte die Ohren um ihnen zu zuhören. Zuerst hörte er nur Gickeln und
Gekicher. Vergnügt lächelte er mit. Dann aber merkte er, dass sie sich über
jemanden lustig machten. Es war ein dickliches Mädchen, das eben mit dem Hüpfen
an der Reihe war. Sein Kopf war rot und sein Rock flog, aber die hohen Sprünge
wollten ihr nicht gelingen. Plötzlich fiel der Gummi auf die Erde, und die
Mädchen riefen wie mit einer Stimme: „Hau ab! So eine wie dich mögen wir
nicht!“
Robin war sehr traurig, als er weiterfuhr.
Hinter der nächsten Häuserecke entdeckte er vier seiner
Klassenkameraden. Sie liefen hinter einem blonden Jungen her und stießen ihm
ihre schweren Schultaschen ins Kreuz. Dabei johlten sie. Das Opfer konnte nicht
entkommen hatte Schmerzen und weinte. Man sah dem Jungen an, dass er Angst
hatte. Ab und zu nahm er alle seine Kräfte zusammen und versuchte, durch einen
Spurt seinen Peinigern zu entfliehen, sie hatten ihn aber rasch wieder
eingeholt, und das gemeine Spiel ging weiter. Erwachsene blickten der kleinen
Gruppe nach, aber keiner griff ein.
„Ich könnte an seiner Stelle sein“, dachte Robin, „nur
mein Bett behütet mich.“
Jetzt hatten sie den Jungen gegen eine Hauswand gedrängt
und jeder schlug ihm ins Gesicht. Leute blieben stehen und schauten zu. Sie
schüttelten den Kopf, bevor sie weitergingen, und sagten: „Diese Jugend!
Einfach barbarisch! So etwas hätte es früher nicht gegeben!“
Robin wollte helfen, doch er wusste nicht wie. Sein Bett
konnte er schließlich nicht verlassen. Dann wäre er wahrscheinlich selbst zum
Opfer geworden. Auch trug er einen Schlafanzug, und damit kann man sich doch
nicht auf der Straße sehen lassen. So fuhr er schnell weiter und war bald
darauf zu Hause.
Er ließ sein Bett vor dem großen Esstisch im Wohnzimmer
halten und freute sich auf das erstaunte Gesicht der Mutter. Sicher würde sie
stolz auf ihn und seine tolle Erfindung sein.
Doch sie starrte das Bett nur erstaunt an. Mit diesem
Kasten auf Rädern konnte sie nichts anfangen. Vielleicht befürchtete sie, das
Bettes könnte gegen die Schrankwand aus rustikaler Eiche schrammen? Jedenfalls
riss sie die Augen weit auf und wurde weiß im Gesicht. Robin kannte diese
Zeichen. Die Mama würde im nächsten Moment laut schreien. Da öffnete er schnell
eine Klappe in seinem Bett, streckte den Kopf hinaus und sagte sanft: „Mama,
nicht aufregen! Ich bin es, dein Robin.“
Die Mutter schloss den Mund, und Farbe kehrte in ihr
Gesicht zurück. Schließlich presste sie ihre Lippen zusammen und fragte
barsch, was das Ganze solle. Robin antwortete, er sei mit seinem Bett in der
Schule gewesen.
Sofort dröhnte die Wohnung von ihrer Stimme: „Du spinnst
wohl? - Was fällt dir ein? - Warte nur, wenn Papa nach Hause kommt. - Mach',
dass du endlich aus diesem blöden Kasten kommst! - Schaff' dieses Monstrum aus
meiner Wohnung!“
Die Mutter schimpfte und schimpfte, und ihr Donnerwetter
wollte nicht aufhören. Schließlich wusste sich Robin nicht mehr zu helfen. Er
schloss ganz einfach die Klappe seines Bettes. Gerade wollte er sich in das
Kissen zurücklehnen und den Daumen in den Mund stecken, als ein Krachen und
Beben durch die Bettstatt ging. Die Mutter rüttelte an den Wänden und rief
dabei: „Was bildest du dir eigentlich ein? Mach' sofort, dass du da 'raus
kommst! Sonst kannst du 'was erleben!“
Lange würden diese dünnen Pappwände, die ihn lediglich
vor den Blicken der Leute hatten verbergen sollen, dem Ansturm der Mutter nicht
standhalten. Verzweifelt sann der Junge auf Rettung. Wenn doch sein neues Bett
stabiler wäre! Ganz schnell wünschte er sich nun einen Kasten aus Stahl.
Gewünscht, getan! Robin war plötzlich hinter schweren, eisernen Platten in
Sicherheit und die Stimme der Mutter war kaum noch zu hören.
Robin auf dem Weg in die weite Welt
Der Junge wollte nun nichts wie weg. Sein Bett setzte
sich in Bewegung, verließ das Haus und fuhr stadtauswärts. Irgendwann blieben
die Häuser zurück und weites Land breitete sich aus. Das Bett bog von der
Straße ab auf eine Wiese und machte hinter Büschen halt. Dort kletterte Robin
aus seinem Gefährt. Er musste Pipi machen. Als er sich erleichtert hatte und
zurückkehrte, erschrak er über die Hässlichkeit des Kastens, mit dem er durch
die Gegend gefahren war. Die Eisenwände schimmerten schmutzig und graubraun.
Alles war unförmig und klobig. Kein Wunder, dass seiner Mama sein Bett nicht
gefallen hatte!
Robin beschloss nun, sein Bett solle das schönste auf der
ganzen Welt werden. Er wünschte sich auf die Stahlwände leuchtend rote, gelbe
und blaue Farbpunkte. Dazu ließ er Blumen, Bäume und Tiere malen. Die Räder
wurden rot und ihre Speichen weiß. Die Ecken des Gefährts rundete Robin
gefällig ab. Zuletzt bekam das Bett noch vorne und hinten Lichter. Dann war das
Werk vollbracht, und der kleine Junge konnte wieder zurück in die wohlige
Geborgenheit schlüpfen.
Nach dem hellen Sonnenschein draußen war es ein wenig düster
im Bett. Die Stahlwände verbargen die grünen Wiesen und die bunten
Schmetterlinge. Nur durch die schmalen Sichtschlitze fiel noch Licht. Das Bett
war zwar warm und sicher, dafür hatte Robin aber das Gefühl, vom Leben
abgeschnitten zu sein. Wie schön war es doch draußen und wie trostlos in
seinem Bett! Es mussten deshalb unbedingt Fenster her! Um seine Sicherheit
nicht zu gefährden, wünschte er sie sich aus Panzerglas und verstärkte sie
mit Stahljalousien.
Nun strahlte wieder die Sonne auf seine geblümte Bettdecke
und kitzelte ihn an der Nase. Robin lächelte. Er wälzte sich auf die Seite und
kuschelte sich in die Kissen. Bequem konnte er nach draußen sehen auf die
Wiesen und Büsche und Blumen. Die Bäume wiegten sich sanft im lauen Wind,
große Weiden ließen ihre Zweige über einen klaren Bach hängen. Forellen sprangen
aus dem Wasser und in der Ferne hoppelte ein Hase über einen Acker. Hoch in der
Luft kreiste ein Habicht, der ihn greifen wollte. Mitten in dieser glücklichen
Welt lag ein kleiner Junge und war auch glücklich.
Robin wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als sich
bei ihm ein nagender Hunger meldete. Seine Gedanken kreisten ständig um Spaghetti
mit Tomatensoße. Reumütig überlegte er, ob seine Flucht vor der Mutter
vielleicht doch zu überstürzt gewesen war. Sollte er nicht besser zurückkehren
und um Verzeihung bitten? Der Tisch war gedeckt. Er könnte sich über die
dampfenden Nudeln hermachen. Das wäre ein Schmaus! Er würde dann der Mutter
erzählen, was er alles erlebt hatte, wie toll sein Bett und wie einfach das
Wünschen war.
Hier stockte Robin. Wenn er zurückfuhr, so müsste er
garantiert sein Bett verlassen und damit alle Geborgenheit und Sicherheit aufgeben.
Das würde er nie und nimmer tun! Lieber verhungerte er! Er versuchte auf
andere Gedanken zu kommen. Jetzt fiel ihm auch ein, dass er bisher das
Wichtigste vergessen hatte. Deshalb wünschte er sich an das Fußende des Bettes,
in halber Höhe, damit er ihn vom Kopfkissen aus bequem sehen konnte, einen
Fernsehapparat.
So lag Robin in seinem Bett auf einer grünen Wiese am
Ufer eines murmelnden Baches und kuschelte sich in weiche Daunen. Umgeben war
er von dicken Stahlwänden und Panzerglas, vor ihm flimmerte die Scheibe des
Fernsehapparates. Keine Mama erinnerte ihn an die Hausaufgaben und schimpfte
darüber, dass er zu lange in die Glotze starrte. Niemand konnte mehr an ihm
herumnörgeln. Er war ganz allein mit sich und der schönen Welt. Als sich der
Hunger wieder meldete, nahm er den Daumen aus dem Mund und wünschte sich einen
Teller mit Pommes Frites und eine Dose Coca Cola.
Dann wurde es dunkel. Sterne zogen am Firmament auf und
der Mond leuchtete. Irgendwann war Robin müde und sehnte sich nach Schlaf.
Seine Mama war weit weg und konnte ihm nicht über das Haar streichen und ihm
auch keinen Gute-Nacht-Kuss geben. Wer würde sich morgen darüber freuen, wenn
er erwachte? Wer würde sich Sorgen machen, wenn er krank war? Er hatte nur noch
sich selbst und musste mit sich selbst zufrieden sein. Da fühlte sich Robin in
seinem Glück recht einsam und schlief ein.
Wie Robin nicht mehr allein war
Robin erwachte zur gewohnten Stunde. Es dauerte einige Augenblick,
dann richtete er sich auf und sah sich verwundert um. Alles war so fremd!
Endlich fiel ihm ein, dass er das Wünschen gelernt und mit seinem Bett in die weite
Welt gefahren war. Zufrieden betastete er nun die festen Wände und freute sich
über die Sonnenstrahlen, die den Weg durch die Panzerglasfenster fanden. Er war
noch müde, und so beschloss er, heute nicht zur Schule zu gehen. Schließlich
brauchte ein Junge, der Wünschen konnte, nicht die kostbaren Stunden seines Lebens
in einer Schulklasse abzusitzen.
Also wünschte sich Robin ein Frühstück und machte sich
dann auf die Welt weiter zu erkunden.
Sein Bett fuhr durch viele Länder, er sah seltsame Menschen
und Häuser und kam schließlich gegen Mittag wieder in seine Heimat. Dort
überholte er mit seinem Bett Radfahrer, die bei der Hitze schwitzend in die Pedale
traten. Robin sah ihnen neugierig zu, trank aus einer Cola und war froh, dass
er sich nicht anstrengen musste, sondern in seinem Bett lag.
Irgendwann wurde Robin das Herumfahren langweilig. Er
kehrte in die Stadt zurück. Gerade kam ein Gewitter auf. Es begann zu regnen.
Die Menschen auf der Straße spannten ihre Schirme auf. Ein Wolkenbruch prasselte
auf die Stadt nieder. Doch Robin hatte es in seinem Bett trocken und warm. Groß
und Klein suchte in Hauseingängen und unter den Markisen von Geschäften Schutz
vor dem Regen.
In diesem Moment entdeckte der Junge das Mädchen, mit dem
keiner spielen mochte. Es lief gerade über die Straße und sah trostlos aus.
Das Haar klebte ihm in Strähnen am Kopf und das Wasser rann ihm in den Kragen
seines Kleides. Alles an ihm triefte vor Nässe. Robin wollte ihr helfen. Er
fuhr mit seinem Bett ganz nah an sie heran. Dann schaltete er seine
Außenlautsprecher ein und fragte ganz leise: „Warum mögen dich die anderen
Kinder nicht?“
Das Mädchen unterdrückte sein Schluchzen und sagte: „Ich
weiß es nicht. Sie sagen immer, meine Eltern und ich wären anders, und wir
gehörten nicht zu ihnen, und ich solle verschwinden.“
Robin erkannte, dass er dem Mädchen helfen musste. Er
konnte sich gut vorstellen, wie ihr zu Mute war, und hatte großes Mitleid. Aber
was sollte er tun? Zu sich in sein Bett konnte er sie nicht holen.
Um Zeit zu gewinnen sagte er: „Hab' keine Angst!“
„Wer bist du?“ fragte sie, „und woher kommst du, und
wohin gehst du?“
„Ich bin der Robin, und ich komme aus der weiten Welt,
und ich fahre wieder dorthin.“
Da sagte das Mädchen mit fester Stimme: „Ich heiße Sarah,
und ich möchte mit dir in die weite Welt kommen.“
Bei diesen Worten wurde Robin auf einmal ganz fröhlich
und dann ganz traurig. Er hätte Sarah so gern mitgenommen, aber wie sollte er
dies anstellen? In sein Bett konnte er schließlich niemanden lassen. Nicht
einmal Sarah!
„Ich kann dich nicht mitnehmen, obwohl ich dich mag“, versuchte
er zu erklären.
Sie antwortete nichts, sondern begann wieder still zu
weinen. Robin fühlte sich hilflos und gemein. Auch wollte er, dass Sarah bei
ihm blieb. Plötzlich kam ihm eine Idee.
Er wünschte sich für das Mädchen ein zweites Bett, das
mit dem seinen verbunden war. In diese schützende Behausung ließ er die neue
Freundin einsteigen. Sie konnten sich durch die Panzerglasfenster sehen, und
wann immer sie Lust hatten, miteinander über die Lautsprecher unterhalten. So
machte das Entdecken der Welt doppelten Spaß. Gleich fuhren die Kinder los.
Zur Begrüßung wünschte sich Robin für Sarah fünf Portionen
Pommes Fritten, drei Portionen Eis und viel Coca Cola. Zwar war er etwas
enttäuscht, als sie ihm erklärte, dass sie keine Pommes Fritten und auch kein
Coca Cola mochte. Aber er ließ es sich nicht anmerken.
Robin und Sarah in Amerika
So kamen die beiden mit ihren Betten nach Amerika und
trafen dort die Indianer. Indianer leben in runden Zelten und nur dünnes Leder
schützt sie vor der Welt. Robin und Sarah in ihren Betten mit Wänden aus Stahl
hielten vor den Zelten. Die Indianer taten Robin leid, und Sarah stimmte ihm
zu. Schon ein starker Wind konnte diese Behausungen umwehen. Hilflos waren sie
allen Unbilden der Natur ausgeliefert. Ein Volk, das noch nicht einmal Steinwände
um seine Betten hatte, konnte doch nicht überleben!
Aber die Rothäute kümmerten sich nicht um das Mitleid der
beiden Kinder. Sie zündeten ihre Lagerfeuer an und kochten Essen. Die Männer
gingen auf die Jagd und die Frauen nähten Kleidung und gaben ihren Kindern die
Brust. Am Abend saßen alle um helle Feuer. Einige von ihnen tanzten. Es war
sehr friedlich und sehr schön.
Die Kinder der Indianer, die ebenso alt waren wie Sarah
und Robin, hatten keine Betten und schon gar keine Stahlwände zu ihrem Schutz.
Sie waren alle nackt und spielten auf der Erde. Manche konnten schon mit
Pfeil und Bogen schießen. Andere wiederum bauten aus Schlamm Dämme und Gräben.
Wieder andere tollten im Wasser eines nahen Flusses herum. Die beiden Besucher
aus Europa sahen ihnen durch ihre Panzerglasscheiben zu und beneideten sie.
Eines Abends, sie waren schon drei Tage bei den Indianern
gewesen, tanzten wieder einmal alle fröhlich um die Feuer. Robin trommelte den
Rhythmus mit. ZU seinem Erschrecken öffnete sich plötzlich die Wand von Sarahs
Bett und das Mädchen kroch heraus und im Nu hüpfte sie munter mit den anderen
herum. Es war ein „Ach, wie haben wir es doch so gut“-Tanz und er schien allen
großen Spaß zu machen.
Robin stellte seine Lautsprecher auf höchste Lautstärke
und schrie Sarah zu: „Komm' sofort zurück! Es ist zu gefährlich! Du weißt doch
gar nicht, was in der weiten Welt alles passieren kann!“
Doch Sarah kümmerte sich nicht um ihn. Sie wollte noch
nicht ins Bett gehen. Die Nacht war dafür zu schön und die Menschen zu nett.
Robin konnte dem gefährlichen Treiben nicht länger zusehen.
Er wälzte sich auf die Seite, steckte den Finger in den Mund und schlief ein.
Am nächsten Morgen erinnerte er sich an diese Nacht wie
an einen bösen Traum. Er sah aus dem Fenster, da lag Sarah. Sie war nicht in
ihr Bett gegangen, sondern hatte in eine Indianerdecke gewickelt unter freiem
Himmel geschlafen.
So viel Unvernunft machte Robin wütend. Er wollte das
Mädchen zwar nicht bevormunden, aber dieses Verhalten war gegen ihn gerichtet,
das wusste er genau. Der Aufenthalt bei den Indianern war ihm nun verleidet.
Er beschloss sogleich abzureisen. Sein Ärger war so ärgerlich, dass er sogar
bereit war, Sarah bei den Indianern zu lassen. Mochte sie doch mit ihren roten
Freunden glücklich werden. Wenn er erst fort wäre, würde sie schon merken, was
sie an ihm gehabt hatte.
Der Junge war gerade dabei, die letzten Vorbereitungen
für die Abfahrt zu treffen, da fielen plötzlich Schüsse. Weiße Männern auf
Pferden hatten das Indianerlager umzingelt und schossen auf die Menschen.
Dabei riefen sie immer wieder: „Wir wollen euch hier nicht. Ihr gehört nicht
zu uns. Dieses Land brauchen wir. Haut ab!“
Die Kugeln prallten zwar von Robins gepanzertem Bett ab,
aber Sarah war in Gefahr. Robin schwitzte vor Angst und Aufregung. Die Indianer
hatten die Gefahr erkannt. Sie schossen mit Pfeil und Bogen zurück, doch einer
nach dem anderen wurde von Kugeln getroffen. Sarah stand hilflos und verwirrt
in dem ganzen Getümmel und blickte sich ratlos um. Wie sollte ihr Robin
helfen? Jetzt in dieser großen Gefahr konnte er doch erst recht nicht sein
Bett verlassen, um sie zu holen. Wenn sie doch nur auf ihn gehört hätte! Er
hatte sie gewarnt, und nun war es zu spät.
Er versuchte es mit dem Wünschen. Die Angreifer sollten
verschwinden, sich in Luft auflösen. Aber das Wünschen half diesmal nichts.
Die weißen Reiter schossen nur noch wilder, und Sarah war in größerer Gefahr
denn je.
Robin hatte schon ganz feuchte Hände, und sein Herz
schlug schnell. Vielleicht hatte er den falschen Wunsch getan? Deshalb
überlegte er und wünschte sich dann eine hohe Betonmauer um das Indianerlager.
Doch auch dieser Wunsch wurde nicht erfüllt.
In seiner Verzweiflung begriff Robin, dass er sich nicht
länger heraushalten konnte. Er musste eingreifen, selbst etwas gegen die Angreifer
unternehmen. Obwohl er ein friedliebender Junge war, besann sich Robin auf
eine Waffe. Da erinnerte er sich, wie sehr er sich an Sylvester immer vor den
Raketen und Kanonenschläge der Erwachsenen gefürchtet hatte. Deshalb wünschte
er sich eine Maschine, die Feuerwerkskörper werfen konnte. Die ließ er auf dem
Dach seines Bettes anbringen. Und nun detonierten Kanonenschläge und Luftheuler
flogen durch die Gegend, Raketen schossen kreuz und quer durch die Landschaft,
und Sternenspeier gingen auf die weißen Männer nieder. Es krachte und bollerte
und blitzte und heulte und donnerte. Der Himmel war erleuchtet von roten,
grünen und blauen Lichtern.
Robins Kampfeinsatz hatte Erfolg. Das Feuerwerk verwirrte
die schießenden Weißen. Sie waren sichtlich überrascht von dieser seltsamen
Gegenwehr. Das hätten sie den Wilden nicht zugetraut. Der Gewehrfeuer wurde
schwächer und verstummte schließlich ganz.
In diesem Moment erschien eine große Staubwolke am Horizont,
und das Getrappel von vielen Pferdehufen erfüllte die Luft. Die Stammesgenossen
der Rothäute hatten von der Not ihrer Brüder Nachricht bekommen und ritten wie
die Teufel ihnen zur Hilfe. Auch die angreifenden Weißen sahen die Gefahr, die
in ihrem Rücken aufzog, und machten sich schleunigst aus dem Staub. Bald lag
das Indianerlager wieder friedlich im Morgensonnenschein, als wäre nichts geschehen.
Die Erleichterung von Robin war groß. Sarah schlüpfte
schnell wieder ins Bett und schloss ganz fest die Klappe. An diesem Tag und am
folgenden wurde ein großes Freudenfest gefeiert. Die Indianer tanzten noch
fröhlicher als sonst. Auch die beiden weißen Kinder freuten sich, aber sie
nahmen nur hinter ihren Stahlwänden an der Feier teil und sagen dort die
Indianerlieder mit.
Am dritten Tag machten sich Sarah und Robin wieder auf
den Weg, um neue Teile der großen, weiten Welt zu erkunden.
„Warum hast du das Bett verlassen?“ fragte Robin seine
Gefährtin, nachdem sie schon eine ganze Weile unterwegs waren.
„Ich kann doch nicht immer im Bett bleiben! Da ist es
zwar schön und auch sicher, aber ich brauche hin und wieder frische Luft und
will unter Menschen sein.“
„Als du aus dem Bett gestiegen bist, hast du auch mich
verlassen. Es hätte dir etwas passieren können und dann wäre ich allein gewesen!“
„Ich wollte nicht dich verlassen, sondern nur das Bett.
Im übrigen bin ich gar nicht bei dir, denn zwischen uns sind noch immer zwei
Stahlwände. Du lässt mich doch gar nicht an dich heran!“
Dem konnte Robin nicht widersprechen, und so antwortete
er nichts, sondern wechselte das Thema. Aber er dachte lange darüber nach, was
Sarah gesagt hatte.
Robin und Sarah in China
Irgendwann kamen die beiden Kinder auch nach China. Dort
sah alles ganz anders aus. Die Menschen auf den Straßen hatten schmale Augen
und wohnten in niederen Häusern mit geschwungenen Dächern. Beinahe alle Leute
fuhren mit Fahrrädern. So breite Fahrradwege hatte Robin noch nie gesehen. Die
Fahrradfahrer fuhren nämlich zu Vieren und zu Fünfen nebeneinander. Alle
klingelten mit ihren Fahrradglocken. Es war ein Lärm und Geschrei und
Geklingel, und die Autos hupten auch.
Die Menschen hier schienen sehr freundlich zu sein, denn
sie lächelten ständig. Der Junge und das Mädchen pressten ihre Nasen an die
Scheiben ihrer Betten und staunten über das fremde Land. Das sollten seine Mama
und sein Papa sehen, dachte Robin.
Die Betten kamen an einem Markt vorüber. Da gab viele
Stände mit Käfigen und Kisten. Seltene, unbekannte und bekannte Tiere
wurden dort verkauft: Schlangen, Salamander, Fische, Hasen, Hunde, Enten,
Tauben, Gänse, Schildkröten und sogar kleine Äffchen. All die Tiere lebten und
brüllten und bellten und schnatterten durcheinander. Es war wie in einem Zoo.
Sarah wäre am liebsten ausgestiegen und hätte die Häschen und die Hunde, und
natürlich die Affen, gestreichelt. Irgendwann erfuhren die Kinder dann, dass
die Tiere alle verkauft wurden, um gegessen zu werden. Da wurde es ihnen ganz
seltsam im Magen und sie fuhren rasch weiter.
In diesem fremden Land wurde Sarah krank. Dem Mädchen war
plötzlich übel und es bekam Fieber, dazu hatte es schreckliche Kopfschmerzen.
Es brauchte dringend Hilfe.
Robin versuchte es zuerst einmal mit dem Wünschen. Er
drückte seine Daumen und konzentrierte sich so sehr, dass er einen roten Kopf
bekam. Seine Freundin solle sogleich wieder gesund sein. Aber wie damals bei
den Indianer, so hatte er auch diesmal mit dem Wünschen keinen Erfolg.
Sarah konnte schon nicht mehr mit ihm sprechen. Sie lag
nur noch in ihrem Bett und stöhnte. Sie war ganz allein. Niemand war bei ihr.
Ihre Eltern waren weit weg. Zwischen ihr und ihrem Freund aber waren
Stahlwände. Der lag in seinem eigenen Bett, betrachtete sie über einen
Fernsehschirm und hörte ihr durch die Lautsprecher zu. Verzweifelt hielt er
nach Hilfe Ausschau. Doch er konnte kein Chinesisch. Wie sollte er nach einem
Arzt fragen. Dem Mädchen ging es immer schlechter.
Dann kam der Moment, an dem es Robin nicht mehr aushielt.
Er musste einfach zu Sarah, sie anfassen und trösten. Nun überlegte er nicht
mehr lange, wünschte alle trennenden Wände weg und machte aus ihrer beiden
Betten ein einziges. Dann kniete er neben dem Mädchen, sah in ihr blasses Gesicht
und hörte ihren keuchenden Atem. Da merkte er, wie lieb er sie hatte, umschlang
sie und drückte den schweißnassen, zitternden Körper an seine Brust.
Wie lange mochten sie wohl so gesessen haben? Waren es
Stunden oder gar Tage und Nächte? Vielleicht war dies die richtige Arznei
für die Kranke? Sarahs Zittern ebbte langsam ab, das Stöhnen ließ nach, und
irgendwann fiel sie in einen tiefen Schlaf. Robin trocknete ihren den Schweiß,
zog ihr ein frisches Nachthemd an und bettete sie vorsichtig unter die
Bettdecke. Dann hielt er Wache, bis sie endlich nach vielen Stunden die Augen
aufschlug.
„Wer bist du?“ fragte das Mädchen.
„Ich bin dein Freund, der Robin!“
„Ich habe dich noch nie in Wirklichkeit gesehen. Warum
bist du hier und nicht hinter deinen Stahlwänden?“
„Weil du mich gebraucht hast.“
„Immer habe ich mir vorzustellen versucht, wie du wohl in
Wirklichkeit aussiehst. Du gefällst mir.“
„Du gefällst mir auch.“
„Wollen wir von nun an in einem gemeinsamen Bett wohnen?
Oder kehrst du wieder zurück und errichtest neue Wände?“
Die Entscheidung lag bei Robin. Was sollte er tun? Konnte
er ihr vertrauen? Sollte er sein sicheres Bett mit ihr teilen? Er war sehr unschlüssig.
Doch als er ihr ins Gesicht sah, und ihr ängstliches, liebes Lächeln bemerkte,
stand seine Entscheidung fest: „Wir behalten das Doppelbett bei.“
Robin und Sarah auf den Grund des Meeres
Robin hatte einmal einen Film gesehen, in dem Menschen
ganz tief auf dem Meeresgrund mit einem Unterseeboot fuhren. Dort erlebten sie
viele Abenteuer mit riesigen Kraken und Fischen. Durch ein Unterwassererdbeben
wären sie beinahe ums Leben gekommen. Das Unterseeboot war sehr schön
ausgestattet gewesen. Es hatte sogar eine Orgel an Bord.
Das hatte dem Jungen mächtig imponiert. Eine Reise im
Meer wollte ihm schon gefallen. Im übrigen, da waren sich Sarah und Robin einig,
gehörte die Erkundung des Meeres zu einer Weltreise. Schließlich wollten man
daheim etwas zu erzählen haben. Ganz so komfortabel wie im Film wollte Robin
aber nicht reisen. Deshalb verzichtete er auf die Orgel.
Das Bett wurde tiefseetauglich gemacht. Alle Öffnungen
bekamen Gummidichtungen. Sauerstoffflaschen versorgten die Insassen mit Luft.
Dann konnte es losgehen. Sie tauchten ins Wasser und sanken tiefer und tiefer.
Die beiden Kinder drängten sich an die Bullaugen, so nennt man die Fenster bei
einem Schiff, damit ihnen ja nichts entging. Eine wundersame Welt tat sich vor
ihnen auf. Sie sahen Schwärme von silbrigen Fischen und Seepferdchen und
Quallen und Muscheln. Rote und weiße Korallen leuchteten auf dem Meeresgrund,
Tintenfische mit vielen Greifarmen zogen vorüber. Dann kam das Bett zu einem
Abgrund im Meer und es ging tiefer und tiefer. Je weiter sie aber tauchten,
desto dunkler wurde es. Deshalb mussten Robin bald Scheinwerfer außen an das
Bett wünschen.
Plötzlich tauchte ein riesiger Schatten vor ihnen auf.
Sie erschraken. Aber als sie näher kamen erkannten sie, dass es nur
ein Schiffswrack war. Vor wie vielen Jahren war dieses Schiff wohl gesunken?
Wie viele Menschen hatten bei seinem Untergang sterben müssen?
Dann kam der nächste Abgrund und das Bett sank noch
tiefer. Sarah schrie auf und umklammerte ganz fest den Arm ihres Freundes. Ein
riesiger Fisch, dreimal so groß wie das Bett, schwamm auf sie zu. Sie sahen
sich schon im Bauch dieses Ungeheuers. Aber zum Glück beachtete der Fisch die
Besucher aus der Welt der Sonne nicht.
Abgelenkt durch den Fisch hatten die Kinder nicht aufgepasst.
Das Bett ruckte plötzlich ganz heftig und bewegte sich dann nicht mehr. Ein
Teil der Lichter war ausgegangen. Im Dämmerschein der verbliebenen Lampen
erkundeten sie die Lage und wurden bleich. Sie hatten den Boden der Tiefsee
erreicht. Doch ihr Bett war geradewegs in den Rachen einer Riesenmuschel geschwommen.
Diese hatte zugeschnappt und versuchte nun, die harte Schale der Beute zu
knacken. Das Bett ächzte unter dem Druck, den die Muschel mit ihren scharfen
Schalen ausübte.
„Mir ist gar nicht wohl“, flüsterte Sarah. „Hoffentlich
kommen wir wieder heil nach oben!“
„Hast du Angst?“, fragte Robin.
„Ja. Du nicht?“
„Ein Junge hat keine Angst!“
Inzwischen hatte das Untier das Bett schon ein wenig
verbogen. Die ersten Wassertropfen sickerten durch die Fugen. Robin und Sarah
waren wirklich in Lebensgefahr.
„Was sollen wir nur tun?“ fragte sie.
„Überlasse das ruhig mir.“
Robin hatte das Mädchen mit diesen Worten beruhigen
wollen. Er konnte ihr doch nicht sagen, dass er selbst vor Angst beinahe starb.
Was hätte die Freundin von ihm denken sollen?
Der Junge zwang sich zur Ruhe, setzte sich in eine Ecke
und wünschte sich von ganzer Seele die Rettung. Doch so richtig konnte er sich
nicht konzentrieren. Seine Gedanken schweiften ständig ab, zu der Riesenmuschel
und zu dem Bett das immer erbärmlicher ächzte und stöhnte. Deshalb gelang es
ihm nicht, sie aus der misslichen Lage zu befreien. So sehr er sich auch
anstrengte.
„Wenn du etwas tun kannst, so tu' es schnell“, flehte das
Mädchen. „Wir haben nicht mehr viel Zeit.“
„Ich tue, was ich kann“, sagte Robin und wischte sich den
Schweiß von der Stirn. Er versuchte Ruhe auszustrahlen und Sarah in Sicherheit
zu wiegen. Doch die Angst schnürte ihm selbst die Kehle zu.
Das Wasser rann nun schon in kleinen Rinnsalen die Wände
herab. Alles war feucht und klamm. Die letzten Lichter waren inzwischen kaputt
und ausgegangen. Das Ende der Weltreise bahnte sich an.
„Kann ich dir nicht helfen?“ drängte Sarah.
„Sei doch still! Wie willst du mir denn helfen? In so
einer Situation sind allein Männer gefragt.“
„Wir könnten doch gemeinsam wünschen.“
Das Wasser schoss nun in Sturzbächen ins Innere des Bettes,
und die Kinder waren von oben bis unten nass. Da gab Robin nach. Er überwand
seinen Stolz und sagte: „Wir können es ja einmal gemeinsam versuchen.“
Und als Sarah ihn direkt fragte, gab er zu: „Ja, ich habe
auch Angst!“
Die Kinder setzten sich einander im Dunklen gegenüber auf
die nasse Matratze und fassten sich fest an beiden Händen. Dann sagten sie gemeinsam
ganz laut: „Wir wünschen uns, dass unser Bett aus dem Rachen der Muschel
befreit wird und wieder oben im Sonnenschein steht.“
Einen Atemzug später war es hell um sie herum. Die Sonne
leuchtete durch die Fenster. Sie hörten die Vögel draußen singen, kein Wasser
sickerte mehr herein. Sie waren der Gefahr noch einmal entgangen.
Bevor sie sich ans Aufräumen machten, sagte Sarah: „Wir
sollten öfter gemeinsam wünschen.“
Robin lächelte, als er hinzufügte: „Und nie wieder einen
Ausflug auf den dunklen Grund des Meeres machen.“
Robin und Sarah reisen auf den Mond
Die beiden Kinder bereisten noch viele Länder und erlebten
so manches Abenteuer. Auf dem Gipfel des Vesuvs, einem großen Vulkan in
Italien, der Feuer speit, wären sie beinahe mitsamt ihrem Bett in den Krater
gestürzt, weil sie zu neugierig waren. Am Nordpol waren sie drauf und dran,
mit einer Eisscholle zu kentern. In Neuguinea, einer Insel am anderen Ende der
Welt, dachten die Eingeborenen, das fremde Bett wäre ein göttliches Geschenk.
Sie wollten das Bett mitsamt Robin und Sarah anbeten und nie mehr hergeben.
Deshalb transportierten sie den seltsamen Stahlkasten auf Rädern in ihr Dorf
und banden ihn dort mit Stricken an riesigen Bäumen fest. In Indien griff ein
wütender Elefantenbulle das Bett an, und in Südamerika gerieten sie in eine
Revolution und wurden mit Granaten beschossen.
Sarah und Robin überstanden alle Gefahren. Sie wurden
klug und erfahren und lernten sich auf einander zu verlassen. Doch die schlimmen
Zeiten vergaßen sie rasch und an die schönen Erlebnisse erinnerten sich noch
lange: das Blumenmeer auf Borneo, die verschneiten Berge in der Schweiz oder
die Wasserfälle in Afrika. Immer wieder kam ihnen die Freundlichkeit den
Menschen in den Weiten Sibiriens in den Sinn, die heiligen Männer in Tibet und
die fröhlichen Kinder auf Hawaii.
Nachdem sie auf der Erde alles gesehen hatten, beschlossen
sie auch den Mond zu erkunden. Um dort hin zu kommen, muss man ganz weit durch
den Weltraum fliegen. Dort gibt es keine Luft, man muss sie in Flaschen
mitnehmen. Außerdem ist es dort schrecklich kalt. Selbst mit dem dicksten
Wintermantel würde man erfrieren. So ein Flug zum Mond erfordert deshalb
lange Vorbereitungen.
Endlich war es so weit. Der Junge und das Mädchen verließen
die Erde und flogen durch das All, wo unten nichts ist und oben nichts ist, und
an den beiden Seiten ist auch nichts. Auf dem Weg sahen sie viele Sonnen und
Planeten. Auch ein Komet mit einem langen, langen Schweif begegnete ihnen.
Endlich tauchte der Mond vor ihnen auf. Dann stand das Bett auf der Mondoberfläche.
Sie war ganz leer. Außer ein paar Hügeln und ein paar Mulden gab es nichts zu
sehen. Weit und breit waren kein Mensch und auch kein Tier, nicht einmal eine
Maus. Keine Pflanzen, Blumen oder Bäume waren auf dem Mond. Nur Steine lagen
überall herum.
Die Kinder drückten sich die Nase an den Fenstern platt,
um irgendetwas zu entdecken. Doch sie sahen nichts außer Einöde so weit das
Augen reichte. Es war ganz ruhig. Kein Windhauch wehte. Der Junge und das Mädchen
hörten nur ihr eigenes, aufgeregtes Atmen.
„Hier bräuchten wir keine Angst vor Klassenkameraden und
anderen Menschen zu haben“, sagte Sarah. „Unser Bett muss uns hier nicht
schützen.“
„Ja, hier könnten wir einfach herumlaufen und würden
niemandem begegnen“, stimmte ihr Robin zu. „Aber gerade hier können wir das
Bett nicht verlassen, weil wir draußen sterben würden.“
„Ich möchte nicht auf dem Mond wohnen“, bekannte Sarah.
„Wir sind hier ganz schrecklich weit vom Leben auf der Erde entfernt.“
„In unserem Bett waren wir manchmal auch ganz weit von
den anderen Menschen weg.“
„Es ist eigentlich gar nicht schön immer im Bett zu
liegen.“
„Und so ganz ohne Menschen ist das Leben scheußlich“,
musste nun auch Robin zugeben.
„Ich möchte wieder nach Hause“, gestand Sarah.
„Ja, wir fahren heim und dort verlassen wir unser Bett
hin und wieder für einen kleinen Ausflug“, fügte Robin hinzu.
„Fein, dann ziehen wir uns hübsch an, und steigen aus dem
Bett. Allen Leuten, denen wir begegnen, geben wir die Hand und sagen 'Guten
Tag'.“
„Wir gehen auch in den Zirkus. Dort setzen wir uns in die
erste Reihe. Da riechen wir den scharfen Geruch der Löwen und Tiger. Aber wir
fürchten uns nicht. Wenn die Pferde durch die Arena galoppieren, und uns die
Sägespäne der Manege um die Ohren fliegen, dann freuen wir uns. Und wenn uns
die Clowns nass spritzen, dann lachen wir.“
„Aber was machen wir, wenn uns die Klassenkameraden
auslachen oder sogar schlagen?“
„Dann nehmen wir uns an der Hand und halten ganz fest
zusammen und haben keine Angst.“
Lange sagten die Kinder nichts mehr. Sie versuchten sich
an den Gedanken zu gewöhnen, das Bett zu verlassen.
Auf einmal konnten es Robin und Sarah kaum noch erwarten,
die heimatliche Stadt zu sehen und die vertrauten Gesichter. Ganz rasch machten
sie sich auf den Heimweg, und das Bett flog ihnen viel zu langsam.
Robin und Sarah wieder zu Hause
Robin und Sarah kamen bei strahlendem Sonnenschein zu
Hause an. Sie hatten das Dach des Bettes weit geöffnet und ließen die frische
Luft und die warme Sonne herein. Sie hatten sich zurecht gemacht: ihre
schönsten Schlafanzüge angezogen, die Nasen geputzt und die Fingernägel
geschnitten. Beide fieberten vor Erwartung und malten sich aus, was sich
daheim wohl alles verändert hätte.
Das erste was sie in ihrer Stadt sahen, war ein Verkehrspolizist,
der ihnen die Hand entgegenstreckte und auf seiner Trillerpfeife pfiff. Das
seltsame Gefährt solle sofort anhalten, befahl er mit lauter Stimme. Gehorsam
blieb das Bett stehen. Die Kinder streckten ihre Köpfe zum Dach heraus und
wunderten sich.
„Was wollen Sie denn?“ fragte Sarah.
„Was ist das für ein Fahrzeug?“ schnarrte der Polizist
streng.
„Das sehen Sie doch, ein Bett.“
„Wo ist die Genehmigung, dass dieses Bett am Straßenverkehr
teilnehmen darf?“
Robin sagte: „Wir sind mit diesem Bett durch die ganze
Welt gefahren, ohne dass irgend jemand daran Anstoß genommen hätte.“
„Hier ist aber nicht die ganze Welt“, entgegnete der
Schutzmann. „Außerdem, wenn ihr mit dem Bett eine Weltreise gemacht habt, dann
könnt ihr mir doch sicher die schriftliche Erlaubnis vorzeigen, die man dafür
braucht? Man kann nicht einfach mit seinem Bett durch die Gegend fahren und
schon gar nicht auf Weltreise gehen, ohne eine Bescheinigung mit vielen
Stempeln.“
„Was sollen wir nun tun?“ fragte Robin seine Begleiterin.
Sarah war inzwischen recht wütend. Sie kroch aus dem
Bett, stellte sich in ihrem Schlafanzug vor dem Polizisten auf, stemmte beide
Hände in die Hüften und sagte: „Haben Sie noch niemals Kinder im Schlafanzug und
in einem Bett gesehen? Muss man nun schon eine Erlaubnis haben, wenn man im
Bett liegt? Seit wann können sich Kinder nicht mehr ruhig und zufrieden die
Sonne in ihrem Bett auf die Nase scheinen lassen?“
Der Schutzmann war etwas verwirrt und stotterte:
„Natürlich dürfen Kinder im Bett liegen. Aber sie können doch nicht einfach mit
ihrem Bett durch die Straßen fahren. Das geht doch nicht.“
„Wenn es nicht geht, dann ist alles in Ordnung. Dann sind
wir nämlich gar nicht hier. Oder haben Sie schon zuvor Kinder mit ihrem Bett
durch die Straßen fahren sehen?“
„Nein, das nicht...“
„Na also, dann ist dies alles ein Irrtum von Ihnen. Und
nun halten Sie uns bitte nicht mehr auf!“
Sarah stampfte energisch mit dem Fuß auf und stieg wieder
ins Bett. Dann fuhren sie weiter. Zurück ließen sie einen Polizisten, der sich
am Kopf kratzte und ihnen verdutzt nachblickte.
Sie bogen um eine Ecke. Da stand ihre Lehrerin. Als sie
die Kinder in ihrem Bett sah, breitete sie beide Arme aus und hielt sie an.
„Das ist aber eine Überraschung“, sagte sie. „Ich dachte
schon ich sehe euch überhaupt nicht mehr. Wann wollt ihr denn wieder einmal zur
Schule kommen?“
Diesmal streckte der Junge den Kopf ganz weit zum Bett
heraus.
„Vielleicht kommen wir morgen, vielleicht auch übermorgen“,
gab er zur Antwort.
„Aber ihr müsst doch etwas lernen. Und man lernt nicht
für die Schule sondern fürs Leben.“
„Wenn es so ist, dann haben wir nichts versäumt. Wir
haben nämlich die ganze Zeit fürs Leben gelernt“, sagte Robin fröhlich. „Aber
wir kommen wieder zum Unterricht. Ganz bestimmt!“
In der nächsten Straße wurden sie Zeugen eines Verbrechens.
Zwei junge Männer überfielen gerade eine Frau. Der eine hielt sie fest, und der
andere wollte ihr die Handtasche entreißen. Alle Leute auf der Straße schauten
weg. Alle hatten Angst, die Burschen würden über sie herfallen, wenn sie der
Frau zu Hilfe käme. Nicht so Sarah und Robin.
Die Kinder hielten das Bett an, machten alle Klappen auf
und riefen so laut sie konnte: „Zu Hilfe! Überfall! Zu Hilfe!“
Die Männer waren über den plötzlichen Lärm so erschrocken,
dass sie von der Frau abließen und die Flucht ergriff. Sarah eilte zu der Überfallenen.
Robin rannte in die nächste Telefonzelle und verständigte die Polizei.
Als sie wieder im Bett lagen und weiterfuhren, sagte
Sarah: „Unsere Heimkehr ist ganz schön aufregend. Findest du nicht?“
„Ja, und wir haben sogar unser Bett verlassen.“
„Bis jetzt ist alles recht gut gegangen. Wir mussten
nicht einmal Wünschen.“
Sie standen nun am Rand eines großen Platzes. Dort waren
viele Kinder. Einige hatten mit ihren Schultaschen zwei Tore aufgebaut und
spielten Fußball. Nicht weit davon entfernt machten Mädchen Gummihupf. Manche
standen auch nur herum und hörten Musik aus einem Player, den jemand mitgebracht
hatte. Zwei Jungen rauften, und in einer Ecke streckten fünf Mädels die
Köpfe zusammen.
Sarah und Robin saßen in ihrem Bett und sahen zu.
Plötzlich wurden sie entdeckt und die Kinder umringten sie.
„Da drin sind Betthasen“, sagte plötzlich jemand. „Lauter
Feiglinge, die hier nichts zu suchen haben.“
Ein anderer fügte hinzu: „Die wollen uns nur ausspionieren.
Gegen solche Leute muss man sich zur Wehr setzen.“
Ein Mädchen kreischte ganz schrill: „Schlagt doch alles
zusammen. Schafft dieses Gesindel hier weg. Solche Kinder wollen wir nicht!“
Nun trommelten alle Kinder gegen das Bett, und lachten,
und schrieen: „Kommt heraus ihr Feiglinge, ihr Betthasen.“
Einige schmierten Farbe auf die Außenseite der Wände, die
Robin so sorgfältig mit Punkten und Blumen versehen hatte. Andere kratzten mit
ihren Hausschlüsseln am Lack. Es war ein Geschrei und Gejohle. Und immer
wieder der Ruf: „Betthasen! Betthasen! Kommt heraus! Ihr habt hier nichts zu
suchen. Das machen wir euch jetzt klar!“
Robin und Sarah waren ganz bleich. So schlimm
hatten sie sich ihre Rückkehr nicht vorgestellt.
„Sollen wir wieder in die weite Welt fahren?“ flüsterte
er.
„Nein, wir dürfen nicht mehr fliehen. Das müssen wir
jetzt durchstehen.“
„Gut“, sagte er, „dann gehen wir jetzt hinaus, ganz
gleich was geschieht.“
Bevor sie das Bett aufmachten, sagte er noch: „Ich bin
sehr froh, dass du mit mir durch die Welt gefahren bist.“
Und sie antwortete: „Auch ich war sehr glücklich und in
deinem Bett geborgen. Dafür danke ich dir. Doch nun ist die Zeit des Träumens
und im Bettliegens vorbei. Gemeinsam werden wir es durchstehen.“
Sarah und Robin traten hinaus unter die Kinder. Sie
standen in ihren Schlafanzügen vor der Meute und hielten sich an der Hand. Von
hinten und von der Seite erhielten sie Knuffe und Puffe. Jemand war so gemein
und trat sie sogar gegen das Schienenbein. Das tat sehr weh, aber sie blieben
dennoch stehen und rannten nicht weg.
„Da sind wir“, sagte Robin fest. „Was wollt ihr von uns?“
„Da sind die Feiglinge“, grölten ein paar Jungen. „Denen wollen
wir zeigen, was Mut ist.“
Sie drängten sich vor und wollten den Jungen und das
Mädchen angreifen.
„Wir haben euch nichts getan, aber wir sind euch jetzt
ausgeliefert“, rief Sarah. „Nun gut, macht mit uns was ihr wollt. Aber eines
Tages werden wir die Stärkeren sein, und ich merke mir jeden von euch.“
Sie sah sich um und sagte zu allen, die zusahen: „Heute
schlagen sie mich, aber morgen schlagen sie dich und dich und dich!“
Dabei deutete sie auf sich und anschließend auf all die
Kinder um sie herum.
„Wenn wir nicht zusammenhalten, hören die Gemeinheiten
nie auf!“ fügte Robin hinzu.
Schweigen breitete sich aus. Die ersten der Herumstehenden
gingen weg. Einer der Rüpel trat vor und wollte Robin schlagen, aber ein anderer
ergriff seinen Arm und sagte: „Ach lass doch. Der Streit mit diesen Typen lohnt
sich nicht.“
Sie beschimpften Robin und Sarah noch ein wenig und
verzogen sich dann. Schließlich waren alle gegangen und die beiden Weltreisenden
standen ganz allein. Überall wurde wieder gespielt.
„Das haben wir durch gestanden. Ich glaube morgen können
wir sogar mitspielen“, sagte Robin. „Aber ich habe schreckliche Angst gehabt.“
„Was meinst du, wie es mir gegangen ist?“ antwortete
Sarah. „Allein hätte ich das nie geschafft. Doch nun weiß ich: Weglaufen hilft
nicht und im Bett löst man keine Probleme.“
Dann machten sie sich auf nach Hause. Zuerst gingen sie
zu Robins Eltern. Das Bett ließen sie unten auf der Straße, um die Mutter des
Jungen nicht noch einmal zu erschrecken. Oben angekommen, klingelten sie, und
als die Mutter öffnete, sagte Robin: „Guten Tag, Mama. Das ist Sarah. Sie ist
meine Freundin. Es tut mir leid, dass ich dich geärgert habe und dann so lange
weg war. Aber nun bin ich wieder da“.
Die Mutter sagte nichts. Sie freute sich so sehr, dass
ihr Sohn wieder zu Hause war und nahm ihn in den Arm. Dann begrüßte sie das Mädchen.
Schließlich saßen alle im Wohnzimmer und tranken süßen Kakao und aßen Kuchen
und Plätzchen.
Sarah und Robin hatten viel zu erzählen und waren noch
lange nicht fertig, als der Vater nach Hause kam. Auch der staunte nicht
schlecht und machte große Augen. Mama und Papa waren stolz auf die Kinder, und
besonders stolz waren sie, als sie hörten, wie tapfer sie sich auf dem großen
Spielplatz geschlagen hatten.
Später gingen alle zu Sarahs Eltern, die sich auch schon
große Sorgen gemacht hatten. Dort mussten das Mädchen und der Junge noch
einmal alles erzählen. Schließlich waren alle sehr müde.
Sarah kroch zufrieden in ihr eigenes Bett, und Robin ging
zu sich nach Hause. Dort tat er einen letzten Wusch. Sein Bett sollte wieder
ganz normal werden und in seinem Schlafzimmer stehen. Dann legte er sich
schlafen, und es waren keine Stahlplatten um ihn herum und keine
Panzerglasscheiben. Dennoch schlief er so gut wie lange nicht.
Robin hat sich in seinem Leben noch oft etwas gewünscht.
Doch von nun an hat er es selbst etwas unternommen, seine Wünsche zu verwirklichen.
Er hat sich nicht mehr auf das Wünschen verlassen, hat nicht mehr darauf
gewartet, dass alles von selbst geht. Deshalb ist ihm auch viel gelungen.
Genauso war es mit Sarah. Beide hatten sie erkannt, dass Weglaufen oft
gefährlicher ist, als stehen zu bleiben und eine Sache durchzustehen. Robin und
Sarah sind auch noch oft durch die Welt gereist, mit dem Schiff, mit dem
Flugzeug und mit der Eisenbahn. Dabei haben sie viel erlebt und viele schöne
Dinge gesehen. Zu Hause waren sie mit vielen Leuten befreundet, die sie
besuchten und von denen sie besucht wurden. Aber nur manchmal, wenn sie ganz
allein waren, sprachen sie zusammen über ihre Abenteuer im Bett und von der
Angst, die sie damals hatten.
Übrigens: Für immer wollten Robin und Sarah nie mehr im Bett bleiben.